Die Bagger haben ihre Arbeit erledigt, Wellen und Steilkurven sind geformt: Der neue Pumptrack am Bahnhofsweg in Ascheberg ist fast fertig. Und schon jetzt ist klar – hier ist auf 1700 Quadratmetern keine kleine „Nebenanlage“ entstanden, sondern etwas, das allein durch seine Größe beeindruckt. Denn was die Streckenlänge angeht, gehört die Anlage sogar zum oberen Viertel dessen, was sonst gebaut wird, wie die ausführende Fachfirma Velosolutions bestätigt – Platz genug also für eine ordentliche Portion Sprünge, Wellen und Steilkurven.
Es gibt zwei Bereiche: eine große Strecke sowie direkt daneben ein „Extra Kids Track“ für Einsteiger, auf dem die Wellen nur halb so hoch ausfallen wie auf der großen Bahn. Beide Strecken zusammen kommen auf eine stolze Gesamtlänge von mehr als 400 Metern.
Richtig spannend wird es dann bei einem technischen Detail, das vor allem die Jüngeren begeistern dürfte: „In der Strecke steckt eine Induktionsschleife, mit der sich über die kostenlose und frei verfügbare Vorld-App die eigene Geschwindigkeit messen und mit Freunden vergleichen lässt“, erklärt Fachplaner Maik Domscheit von den Technischen Diensten der Gemeinde, „und das ist etwas, das es auf Pumptracks nicht alle Tage gibt.“ Auch an Barrierefreiheit wurde gedacht: Der Extrabereich lässt sich ebenfalls mit dem Rollstuhl befahren. Kurzum: Am Bahnhofsweg ist eine eine Anlage entstanden, die von der ersten Welle bis zur letzten Kurve durchdacht ist.
Und das vor allem auch dank der Mitarbeit der Ascheberger Kinder und Jugendlichen. Denn manchmal beginnen große Bauprojekte eben nicht am Reißbrett der Verwaltung, sondern bei Pizza und Cola. Genau so war es hier: Bei der Beteiligungsform „Pizza und Politik“ saßen Kinder und Jugendliche mit dem Bürgermeister und Vertretern der Verwaltung zusammen – und äußerten zum ersten Mal einen Wunsch, der sie und die Fachabteilung im Rathaus seitdem nicht mehr losgelassen hat: einen eigenen Pumptrack.
Ideen und Vorschläge gebündelt
Dass aus diesem Wunsch Schritt für Schritt ein konkretes Projekt wurde, ist dabei vor allem auch Miriam Lepper, Fachgruppenleiterin Soziales bei der Gemeinde, zu verdanken. Sie organisierte die Treffen mit den Kindern und Jugendlichen bei „Pizza und Politik“, entwickelte gemeinsam mit ihnen Ideen und erste Vorschläge für die Anlage und sorgte dafür, dass ihre Wünsche nicht nur gehört, sondern auch systematisch ausgewertet wurden. Aus vielen einzelnen Vorstellungen, Skizzen und Anregungen führte sie die Ideen der jungen Beteiligten zu einem gemeinsamen Bild zusammen, das anschließend in die weiteren Planungen einfließen konnte. Mit viel Energie und Kreativität hat sie den Beteiligungsprozess über einen langen Zeitraum begleitet und damit einen entscheidenden Grundstein für die Anlage gelegt, die nun am Bahnhofsweg entstanden ist.
Auch bei den weiteren Planungen ließ die Verwaltung die jungen Ideengeber nicht außen vor. Im Gegenteil: „Die Kinder und Jugendlichen wurden weiter eng eingebunden, sowohl bei der Frage, wie die Anlage am Ende aussehen soll, als auch bei der Auswahl der Firma, die sie bauen sollte“, erläutert Domscheit. Vier Unternehmen reichten Entwürfe ein, vier Vertreter aus der jungen Generation saßen mit am Bewertungstisch – und ihr Urteil gab am Ende den Ausschlag. Beauftragt wurde die Firma Velosolutions. Maik Domscheit ist begeistert: „Das zeigt, was für tolle Ergebnisse erzielt werden können, wenn man Kinder und Jugendliche nicht nur nach ihren Wünschen fragt, sondern sie auch beim Planen und Entscheiden mitreden lässt.“
„Das Projekt ist etwas ganz Besonderes“
Auch für Maik Domscheit, der auf der technischen Seite die Fäden bei diesem Projekt in der Hand hält, ist das Projekt eine Premiere. Er beschäftigt sich sonst mit Straßenbau oder Entwässerungskanälen, mit einem Pumptrack hatte er beruflich noch nie zu tun. „Deshalb ist dieses Projekt etwas ganz Besonderes für mich, sowas baut man nicht jeden Tag. Ich musste erstmal googlen, welche Anforderungen es an einen Pumptrack überhaupt gibt und welche Firmen so etwas bauen“, erzählt er offen. Aber jetzt ist auch er Feuer und Flamme: „Ich finde es sehr cool, dass für diejenigen, die dem Spielplatz entwachsen sind, ein besonderer Platz entsteht. Völlig klar, dass auch ich mit meinen Kindern und meinen Nichten und Neffen natürlich hier vorbeikommen und den Pumptrack nutzen werde.“
Rund 437.000 Euro kostet der Bau insgesamt, mehr als die Hälfte davon – 250.000 Euro – steuert das Förderprogramm LEADER bei. Und sobald der Asphalt ausgehärtet und die Markierungen getrocknet sind, soll richtig gefeiert werden: Eine große Eröffnung mit jeder Menge coolen Aktionen ist bereits für den 25. September geplant. Wer also schon jetzt Lust bekommt, sich einmal über die Steilkurven zu pumpen, muss sich nur noch ein wenig gedulden.
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Foto: Auf diesem Drohnenbild liegen die Arbeiten am Pumptrack in den letzten Zügen. Mittlerweile liegt der Asphalt, nutzbar ist die Strecke aber noch nicht. Denn der Asphalt muss aushärten, sonst nimmt die Strecke Schaden. Außerdem fehlen noch die Markierungen und weitere Restarbeiten müssen erledigt werden. Foto: Thomas Schütte